Archiv für das Jahr 2010

Dampf ist heißes Thema im November

Montag, 06. Dezember 2010

So oft wie selten zuvor war das Dämpfen gegen Unkraut und Krankheitserreger in der Fachwelt ein angesagtes Thema.  Am 10.11.2010 wurde bei der Vortragstagung Gemüsebau der staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Heidelberg das Dämpfen von Freilandflächen mit einem eigenen Vortrag „Dämpfen mit neuer Technik“ gewürdigt.
In dem Fachvortrag wurden insbesondere das vollautomatische Systeme „Dämpfmobil“ sowie der „Dampfmixer“ eingehend präsentiert.

In gleichem Zuge stellte die LVG Heidelberg auch die Forschungsergebnisse zum Dämpfen bei Baby-Leaf-Salaten vor, die die Universität Hohenheim im Sommer 2009 vorbereitet hatten.

Mit Dampf mehr Ertrag ohne Unkraut

In dem Forschungsbericht ist nicht nur konkret nachgewiesen worden, dass heißer Dampf als Unkrautbekämpfungsmaßnahme Herbiziden oder maschinellen Methoden weit überlegen ist, sondern auch durch den Dampf der Ertrag stark verbessert werden kann.

Salatfrischemasse im Vergleich bei mehreren Unkrautbekämpfungsmaßnahmen
Salatfrischemasse im Vergleich bei mehreren Unkrautbekämpfungsmaßnahmen

Während der Ernteertrag beim Herbizideinsatz, sowie der Handhacke sich von der Kontrollfläche kaum unterscheidet, FAELLT (anstatt sticht) der Ertrag beim Bodendämpfen, in diesem Fall um fast 100% (=VERDOPPELUNG), stark ins Gewicht!

Unkrautfrischemasse im Vergleich bei mehreren Unkrautbekämpfungsmaßnahmen
Unkrautfrischemasse im Vergleich bei mehreren Unkrautbekämpfungsmaßnahmen

Während der Herbizideinsatz die Handhacke schlägt, ist dennoch die Überlegenheit des Dämpfens klar ersichtlich. Dort ist im Gegensatz zu  allen anderen Methoden fast kein Unkraut mehr festzustellen gewesen.

Neben Heidelberg war am 26.11.2010 das Dämpfen auch beim Gemüsebautag des Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum des Landes Rheinland-Pfalz in Mutterstadt ein heisses Thema. Während des halbstündigen Vortrags wurden die durchschlagenden Dämpferfolge der letzten Versuche gegen Unkraut, insbesondere bei Säkulturen (Rukola, Rote Beete), aus diesem Jahr präsentiert.

Heißer Dampf erobert Kenia

Samstag, 20. November 2010

Selbst dort, wo Arbeitskraft und Land günstig ist, wird heißer Dampf zur Sterilisation der Kulturflächen und Substrate benötigt. Im September 2010 nahm ein großer holländischer Blumenerzeuger seinen Dampferzeuger in seinen kenianischen Gewächshäusern in Betrieb.

Flächendämpfung in Kenia - Blumenzucht
Flächendämpfung in Kenia – Blumenzucht

Die vorrangige Anwendung ist die Sterilisation von Vulkanstein-Substrat, so dass es aufbereitet mehrfach für die Anzucht genutzt werden kann. Das Substrat wird zur Heißdampfbehandlung in eine spezielle Dämpfbox verbracht, die durch ein Drainagesystem unter Unterdruck gesetzt werden kann. Hierdurch ist eine sehr effiziente und energiesparende Dämfung möglich. Die komplette Technik wurde von der Firma MSD AG, Durbach geliefert.

Heißer Dampf bewährt sich bei Neophytenbekämpfung

Samstag, 13. November 2010

Die Entseuchung größerer Flächen von Japan Knöterich scheint sich immer weiter durchzusetzen. Nachdem der Abwasserzweckverband Offenburg sowie das Regierungspräsidium Freiburg seit dem Jahr 2009 mit Erfolg heißen Dampf zur Bekämpfung von Japan Knöterich eingesetzt haben, ist das Regierungspräsidium Karlsruhe nun dem Beispiel gefolgt.

In der Nähe von Sinzheim wurden Anfang November mit Hilfe der Dämpfspezialisten MSD AG, Durbach sowie Mobildampf, Waiblingen drei größere Flächen gedämpft.

Während beim Regierungspräsidium Freiburg die befallenen Areale ausschließlich 20cm tief ausgekoffert und das abgeräumte Erdmaterial in besonders präparierten Kippanhänger mit heißem Dampf behandelt wurden, wollte Karlsruhe zwei der drei Flächen über eine klassische Foliendämpfung behandeln.

Foliendämpfung gegen Japan Knöterich bei Sinsheim
Foliendämpfung gegen Japan Knöterich bei Sinsheim

Hierfür wurden die Flächen 30cm tief vor der Dämpfung gelockert. Danach wurde die Fläche mit einer hitzebeständigen Spezialfolie abgedeckt, diese an den Rändern beschwert, und heißer Dampf drei bis vier Stunden lang unter die Abdeckung geleitet. Bei der dritten Fläche wurde die Erde 20cm tief abgetragen, gedämpft und nach der Behandlung wieder auf die Fläche ausgetragen.

Container-Dämpfung im Kippanhänger
Container-Dämpfung im Kippanhänger

Sollten sich im kommenden Jahre die erwarteten positiven Ergebnisse eines Bekämpfungserfolgs von mehr als 95% bestätigen, sollen weitere Bekämpfungsmaßnahmen mit heißem Dampf folgen.

Neues Dämpfsystem von Mobildampf: Der Dampf-Mixer

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Die Firma Mobildampf hat ein neues Dämpfsystem Mitte September vorgestellt: Den Dämpf Mixer. Das Unternehmen ist der führende Vermieter von Dämpfanlagen im Deutschen Gartenbau, der heute hauptsächlich Foliendämpfsysteme anbietet.

Ziel der Erfindung war es, zur Dämpfung mit Folien ein einfaches, kontinuierliches Verfahren bereit zu stellen, das im Freiland aber auch unter Glas bei variablen Dämpftiefen ab 10-25cm genutzt werden kann .

Mitte September konnte Mobildampf den voll funktionstüchtigen Prototypen mit einer Dämpftiefe von 10cm während des Feldtages des Dienstleistungszentrums Rheinlandpfalz vorstellen. Das Gerät wurde einfach an einen Schmalspurtraktor gehängt, der mit 100m/h eine Fläche von bis zu 200m²/h mit heißem Dampf sterilisiert.

Kontinuierliches Dämpfen durch den Dampfmixer
Kontinuierliches Dämpfen durch den Dampfmixer

Zukünftig soll das Gerät noch so erweitert werden, dass Dämpftiefen von bis zu 25cm erreicht werden können und 3 Spuren gleichzeitig gedämpft werden können.Hier ein Video zur Nutzung des Systems:Dampfmixer der Firma Mobildampf

Gemüse liebt gedämpften Boden – 30% mehr Ertrag

Montag, 20. September 2010

Das Dienstleistungszentrum ländlicher Raum des Landes Rheinlandpfalz hat zu seinem Feldtag am 16.09.2010 die Ergebnisse seiner ausgedehnten Testreihen zur Unkrautbekämpfung in Säkulturen, insbesondere Rukola vorgestellt. Dabei wurde die Wirkung von mehreren Herbiziden, sowie Heißdampf verglichen.

Die Untersuchungen wurden im Frühjahr 2010 begonnen und im Sommer wiederholt. Die Ergebnisse sind beeindruckend und lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Der Einsatz von Herbiziden brachte eine Reduktion von bis zu 80%, abhängig vom eingesetzten Mittel und der Unkrautart.
Die gedämpfte Fläche war hingegen vollständig unkrautfrei. Die Wirkung gegen jede Art von Unkraut war 100%.  Zudem konnte noch eindrucksvoll ein günstiger Nebeneffekt auf das Pflanzenwachstum festgestellt werden: Die gedämpfte Kultur hatte einen signifikanten Wachstumsvorsprung von ca. 2-3 Wochen und darauf aufbauend einen stark erhöhten Ertrag.

Rote Beete auf gedämpfter Erde
Rote Beete auf gedämpfter Erde
Rote Beete nach Herbizid Behandlung
Rote Beete nach Herbizid Behandlung
Ruccola auf gedämpftem Boden
Ruccola auf gedämpftem Boden
Ruccola nach Herbizid-Einsatz
Ruccola nach Herbizid-Einsatz

Dieser positive Effekt wurde in einer zweiten Untersuchung während des Sommers nochmals bestätigt.
Hier der Bericht des DLR als PDF Download, der auch im September 2010 im Hortigate unter hortigate.de veröffentlicht wurde:

Forschungsbericht des DLR Rheinlandpfalz, September 2010

Dämpfen beim Gemüsebautag der Uni Wädenswil

Dienstag, 07. September 2010

Die Schweizer Gemüsebauern haben insbesondere bei der Erzeugung von Ruccola mit der Herausforderung zu kämpfen, dass sie keine zugelassenen Herbizide zur Verfügung haben.

Daher genoss die Firma MSD AGals weltweiter Spezialist in Sachen Dämpftechnik die erhöhte Aufmerksamkeit der rund 100 Besucher des Gemüsebautages. Dampf bietet als einzige Alternative zum Herbizid eine umfassende Breitbandwirkung gegen alle Unkräuter, dies wurde von Herrn Seifert von MSD AGnochmals verdeutlicht. Entsprechende aktuelle Studien, insbesondere des DLR Rheinlandpfalz wurden vorgestellt.

Die Firma MSD AG war auf Einladung der Hochschule Wädenswil und dem angeschlossenen Agroscope-Institut als einziges privatwirtschaftliches Unternehmen mit einem Vortrag vertreten.

Heißer Dampf zeigt optimale Wirkung gegen Phytopathogene auch in Farbenfabrik

Sonntag, 01. August 2010

Die Herstellung umweltfreundlicher Farben bedingt ein Höchstmaß an Hygiene, um eine optimale Produktqualität zu gewährtleisten.  Einer der führenden Spezialfarbenhersteller in Deutschland, die Firma Schulz GmbH, Farben- und Lackfabrik im rheinland-pfälzischen Langenlonsheim,  hat nun Dampf als Sterilisationmittel für sich entdeckt, um nach der Produktion biologischer Farben die Lagertanks vollständig zu desinfizieren.  Im Fokus stehen insbesondere Bakterien der Gattung Pseudomonas, von denen die Behälter gänzlich befreit werden müssen.

Mitte Juli 2010 fanden einführende Dämpf-Tests unter Laborbeobachtung der Firma Thor GmbH, in Speyer statt. Hierbei kam ein Dampferzeuger der Firma MSD- Möschle mit einer Leistung von 220kg Dampf/h zum Einsatz. Der Dampf wurde über eine spezielle Leitung in die Tanks geführt, wobei die ~8m³ großen Tanks jeweils ca. eine halbe Stunde gedämpft wurden.  Über einen speziell entwickelten Injektor wurde der Dampf von unten eingeführt, die anfallenden 110 Liter  Kondensat flossen wiederum am Boden über die Ausfuhrstutzen ab.

Die Ergebnisse wurden in der vergangenen Woche von der Firma Thor bestätigt. Die Dämpfung hat eine vollständige Hygienisierung der Lagerbehälter bewirkt. Nach der Heißdampfbehandlung konnten keine Bakterien mehr festgestellt werden. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Untersuchungen prüft nun die Firma Schulz GmbH eine feste Dämpfanlage im Unternehmen zu installieren.

Giftiges Kreuzkraut weiter auf dem Vormarsch

Sonntag, 18. Juli 2010

Schlechte Nachrichten für den Gemüse- und Salatanbau. Das giftige Kreuz- oder auch Greiskraut breitet sich in Deutschland immer weiter aus. Die hauptsächlich in südlichen Gefilde heimische Pflanze vermehrt sich seit wenigen Jahrzehnten stetig und entwickelt zur Zeit insbesondere in Südwestdeutschland und von Belgien kommend große Bestände.

Damit wächst das Kreuzkraut zu einer immer größeren Bedrohung für den biologischen und konventionellen, stark automatisierten Gartenbau heran.

Das Problem liegt in der leber- und nervenschädigenden Wirkung der Pflanzeninhaltsstoffe, die im Extremfall auch beim Menschen bis zum Tode führen kann. Gelangen Teile des Greiskrauts in die Ernte, wie es 2009 publik wurde, führt dies zu unabsehbaren Folgen für den Erzeuger.

Der Gemüsebau hat kaum Möglichkeiten, gegen diese Gefahr anzugehen. Es gibt kein Herbizid, das einen 100%igen Schutz bietet.  Zudem sind die Blätter der Kreuzkraut-Jungpflanze fast nicht von Rucola zu unterscheiden, was die Bekämpfung und ggf. eine spätere Selektion aus der Ernte fast unmöglich macht.

Das DLR Rheinlandpfalz ist zur Zeit dabei, bestehende Kreuzkraut-Bekämpfungsverfahren nochmals unter die Lupe zu nehmen. Darunter auch das Dämpfen (wir berichteten im Mai 2010). In kürze sollen die Ergebnisse veröffentlicht werden.

Die Insel Mainau dämpft gegen Unkraut

Mittwoch, 16. Juni 2010

Eine der schönsten und bekanntesten Gartenanlagen in Deutschland vertraut auf die umfassende Wirkung von Dampf.  Im Fokus stand der bekannte Dahlien-Hügen, der mit alternativen Unkrautbekämpfungsmaßnahmen nicht mehr arbeitskostenwirtschaftlich von Unkaut befreit werden konnte.

Im Juni lies die Insel Mainau daher eine Blumenbeetfläche von insgesamt  2000 m² von der Firma mobildampf.de im Lohndämpfverfahren mit Dämpffolie schrittweise abdecken und dämpfen.

Foliendämpfung auf dem Dalienhügel
Foliendämpfung auf dem Dalienhügel

In nur 3 Tagen und 50 Betriebsstunden wurde die Fläche mit 2 Dämpfanlagen, darunter ein Dampfkessel S 2000 der Firma MSD, Durbach mit 2000 kg Dampf/h Leistung vollständig hygienisiert. Die Beete wurden auf 85°C bis auf eine Tiefe von 30 cm erhitzt und damit vollständig hygienisiert sowie von Unkräutern befreit.

In den nächsten Jahren ist der Unkrautdruck auf dem Dalienhügel sicher gebannt.

Neophytenbekämpfung mit heißem Dampf geht in die letzte Runde

Mittwoch, 26. Mai 2010

Das Regierungspräsidium Freiburg hat Ende Mai 2010 den im vergangenen Herbst begonnenen Versuch zur Bekämpfung des Japan Knöterich mit reinem Heißdampf ohne Chemie abgeschlossen. Es wurde der letzte Behandlungsschritt zur Tiefenbekämpfung der Japan Knöterich Rhizome durchgeführt.

Versuchsaufbau mit Dampfkessel
Versuchsaufbau mit Dampfkessel

Bereits im September 2009 wurde der Bekämpfungsversuch mit Heißdampf begonnen. Hierbei wurden weite, mit Japan Knöterich befallene Flächen am Ufer des stark betroffenen Flüsschens Rench 20-30 cm tief ausgehoben und der komplette Aushub abgedämpft. Der Erfolg der Behandlung von mehr als 95% war schon im Spätjahr 2009 und deutlicher im Frühjahr 2010 sichtbar. Auf der behandelten Fläche hatten sich nur noch, wie erwartet, vereinzelte Neutriebe gezeigt.

Dämpf-Lanzen im Einsatz
Dämpf-Lanzen im Einsatz

Diesen Neutrieben wurde nun durch die abschließende Tiefenbehandlung begegnet. Dabei wurde zunächst der Boden mit einer Hochdrucklanze der Firma MTM-SPINDLER bis zu einer Tiefe von einem Meter durch stark verdichtete Luft aufgebrochen und gelockert. Danach folgte die Einführung einer Dämpflanze, über die ca. 15 min 200°C heißer Dampf in den Boden geleitet wurde.

Luftdrucklanze im Einsatz
Luftdrucklanze im Einsatz

Bereits im Mai 2009 wurden bei einem vergleichbaren Versuch mit dem Abwasser-Zweckverband auf diese Weise sämtliche im ersten Flächenbehandlungsschritt noch nicht beseitigte, keimfähige Wurzelreste des Japan Knöterich vollständig abgetötet.

Der heiße Dampf denaturiert die im Boden verbliebenen, keimfähigen Rhizome und verbrüht diese partiell so stark, dass durch einfallende Keime die Pflanze soweit geschwächt wird, dass ein Wiederaustrieb nicht mehr erfolgt.

Im weiteren Verlauf wird durch Beobachtungen das positive Ergebnis auf seine Nachhaltigkeit in regelmäßigen Abständen geprüft.